Vienna Autoshow 2019: Die große Unsicherheit

Messe Vienna Autoshow 2019 im Messezentrum Wien

Was denkt die Kfz-Branche über die Zukunft des Automobils, und was der Verkehrsminister? Welche Sorgen hat der Kfz-Handel? Die Eröffnung der Vienna Autoshow liefert dazu alljährlich aktuelle Antworten.

Von Johannes Tomsich

Die Eröffnung der „Vienna Autoshow“ 2019 auf dem Wiener Messegelände ist mittlerweile fixer Bestandteil der Medienvertreter, die für viele als erster Event das Jahr eröffnet. Verkehrsminister Norbert Hofer verdeutlichte dazu seine Standpunkte etwa zum 140er auf Autobahnen als auch zum Autonomen Fahren. Seiner Meinung nach bestünden mit modernen Fahrzeugen keine Sicherheitsnachteile durch die Anhebung der Autobahnmaximalgeschwindigkeit für Pkw. Und das Autonome Fahren in den derzeit möglichen Entwicklungsstufen sei als komfortable Entlastung der Autofahrer auf Autobahnen zu sehen. Dem Fahrspaß auf kurvenreichen Serpentinenstraßen sollten die Fahrhilfen keinen Abbruch tun.

Wie jedes Jahr gab der Fahrzeughandel zusammen mit der Statistik Austria Einblick in die Absatz-Situation der Kfz-Branche in Österreich im vergangenen Jahr. Das Jahr 2018 war laut Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure, geprägt von Unsicherheiten für die Konsumenten, verursacht durch folgende Entwicklungen:

  • die Folgewirkungen des Dieselskandals führte zu einem Wertverlust vieler Kfz-Modelle, was sich auch auf den Gebrauchtwagenmarkt auswirkt,
  • die Einführung des neuen Abgastests (WLTP – steht für worldwide harmonized Light vehicles Test Cycle), der realistischere Verbrauchswerte ermöglichen soll,
  • einer höheren NoVA seit September 2018,
  • und der Reduktion von Grenzwerten für Stickoxid (NOx) in Städten auf 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Bestes Geschäftsjahr seit Wertung

2018 war laut Kerle absatzmäßig das drittbeste Geschäftsjahr, seitdem es Zählungen gibt. Die Branche hatte allerdings ab dem zweiten Halbjahr mit einem progressiven Absatzeinbruch zu kämpfen. Mit der höheren NoVA ab September basierend auf den neuen Abgastests sei der Markt dann fast völlig eingebrochen. Kerle verglich den neuen Grenzwert mit jenem Abgaswert, den ein einzelner Adventkranz verursacht. Dessen NOx-Wert würde demnach bereits über dem neuen zulässigen Abgaswert eines modernen Dieselmotors liegen.

Zur weiteren Verunsicherung tragen Fahrverbote in Deutschlands Hauptstädte für Diesel-Kfz bei. Viele Kunden seien derzeit in einer Warteposition, wie auch Verkehrsminister Norbert Hofer vermutet. Kerle bedankte sich bei ihm allerdings für die Position der österreichischen Bundesregierung, die sich bis dato gegen Fahrverbote aussprach.

Turbo für E-Motoren

Neue Flottenziele bei den Abgasgrenzwerten werden der E-Mobilität zu einem weiterem Entwicklungsschub verhelfen, meint Kerle. Dazu gäbe es allerdings noch viele Fragen zu beantworten: Woher kommt der Lade-Strom, wenn sich Elektrofahrzeuge wirklich durchsetzen? Wird es auch weiterhin genügend Rohstoffe für die Akkus geben? Und, welche neuen Anforderungen kommen beim Recycling auf die Gesellschaft zu?

KommR Ing. Klaus Edelsbrunner, Obmann des Bundesgremiums Fahrzeughandel, klagt über hohe Investitionen für die Ausbildung im Bereich Elektroantriebe, die Sorge bereiten. Nicht jeder Betrieb könne diese Kosten stemmen. Und es fehle es in großem Maße an Fachkräften.

Vor allem aber gilt es, die Infrastruktur sicherzustellen. „Es ist sehr verwunderlich, dass dieselben Gruppen, die ständig nach E-Mobilität rufen, sich gegen den Bau von weiteren Windrädern stellen“, so Kerle dazu. Er ist der Meinung, dass in Zukunft nicht allein E-Antriebe bestimmen werden, deshalb sei es genauso wichtig, dass die Hersteller die Forschung mit synthetischen Kraftstoffen (für Ottomotoren) oder Erdgasantriebe fortzusetzen.

Die NoVA stellt für Kerle nicht nur aufgrund der Kosten ein gravierendes Problem dar. „Die NoVA ist eigentlich eine Luxussteuer mit grünem Mäntelchen und hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Bürokratiemonster entwickelt“. Seine Forderung an die Bundesregierung lautet, die NoVA gänzlich abzuschaffen.

Auch Klaus Edelsbrunner, Bundesgremialobmann des Fahrzeughandels der WKO, teilt die Meinung, dass die Käufer durch die Diesel-Affäre verunsichert seien. Zum ersten Mal seit Langem gab es 2018 mehr Benzin- als Dieselneuzulassungen.

Zahlen, Daten Fakten zum Ö. Automobilmarkt

450.000 Mitarbeiter,

45 Mrd. Euro Wertschöpfung,

11 % BIP-Anteil,

341.068 Pkw-Neuzulassungen 2018 – Rückgang um 3,5 %, 54 % Benziner,

48.000 Lkw-Neuzulassungen – neuer Höchstwert: +8,7 %.