Ökonomie versus Ökologie?

Mag. Stefan Krauter Chairman cargo-partner GmbH

Das unseren Globus aktuell bestimmende ökonomische System, das uns auch sehr viel Gutes gebracht hat, zeigt in Fragen des „Umweltgewissens“ enorme Schwächen und scheint vor allem in Aspekten des Gemeinwohls an seine Grenzen gestoßen zu sein.

Ein Kommentar von Stefan Krauter

Nur mehr die Hartnäckigsten leugnen, dass wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern und wie es scheint, geht es heute nur mehr um den Zeitpunkt ihres Eintritts und um ihr Ausmaß. Diese ist aber bei weitem nicht das einzige irreversible Umweltproblem, das sich derzeit anbahnt. Man denke nur an die Vergiftung der Meere, die Tatsache, dass sie so schnell saurer werden, dass es in drei oder vier Jahrzehnten keinen Krill, welcher ganz unten in der Nahrungskette der Meeresfauna steht, geben wird. Wir beginnen erst jetzt zu verstehen, dass die Plastikberge im Meer zu Mikroplastik transformiert über die Fische – schon schlimm genug – auch in die Nahrung der Menschen kommen.

Schnelle Ökonomie versus langfristige Umweltveränderungen

Was macht es so schwierig, hierauf richtig zu reagieren? Zunächst: Unser ökonomisches System ist sehr kurzfristig angelegt. Wenn Börsenkurse in Millisekunden über Schicksale von Managern entscheiden, sich anbietende Technologiewechsel durch eventuelle mittelfristige Wertverluste und kurzsichtige Lobbyisten verhindert werden, dann fallen in Jahrzehnten gemessene und an ganz anderen Orten auftretende, kaum mehr auf Verursacher zuordenbare, Umweltphänomene leider nur allzu leicht unter den Tisch.

Sind wir diesen Kräften aber hilflos ausgeliefert? Keineswegs, und da tut sich auch einiges, wenn auch leider nicht immer schnell genug! Klar, es braucht eine Änderung der Grundeinstellung, um den benötigten Wechsel auf umweltschonende Technologien zu finden und voranzutreiben. Aber welche Kräfte sollten diese Änderung herbeiführen?

Synthese zwischen Ökonomie und Ökologie

Die reine Ökonomie kann nur mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden und zu einer Synthese mit der Ökologie geführt werden. Die Zauberworte dabei heißen Bewusstseinsbildung, Werte, Publizität und vor allem Wettbewerb! Arbeitnehmer und Manager wollen bei ethisch vorbildlichen Unternehmen arbeiten, Kunden wollen ethisch korrekte und ökologisch verträgliche Produkte kaufen, Investoren in ethische Fonds investieren, Forscher und Techniker das kreieren, mit dem sie sich identifizieren können. Politiker wollen wiedergewählt werden, aber das ist eine etwas andere Geschichte.

Auf Unternehmensebene werden zunehmend ökologische Aspekte in die Corporate Identity (CI), Mission und Vision Statements, Codes of Conduct (CoC), Corporate Social Responsibility Policies (CSR) aufgenommen. Sie werden im Geschäftskontakt zwischen Unternehmen verlangt. Natürlich haben auch die Zertifizierer ein neues und interessantes Betätigungsfeld entdeckt. Was mancherorts halbherzig und dann in glänzenden Farbdruck-Reports begann, hat sein betriebsinternes und betriebsexternes Auditorium gefunden und wird zunehmend gelebt.

Wohltun bringt Zinsen. Vor allem dort, wo der Markt genug Anbieter hat, sieht man viele hervorragende Initiativen, darunter auch wegweisende Leuchttürme, sogar einige Ökologie-Disruptoren.

Umwelt für kommende Generationen intakt halten!

Reden ist eine Sache, Tun eine andere, Erfinden oder Kopieren der richtigen Sache eine Einladung zum weiteren Kopieren und Verbessern. Die Grenzen des Egoismus verschwinden hier langsam, paradoxer- und erfreulicherweise trotzdem zum eigenen Nutzen, denn in unserer Informationsgesellschaft sind Unternehmen und der Hintergrund ihrer Aktivitäten keine Inseln mehr, die sich abschotten lassen.

Wir brauchen nur etwas innere Freiheit und Ehrlichkeit, um uns auch mit dem Unangenehmen in unserem Fluss unserer Zeit zu beschäftigen, nur ein paar positive Gedanken darüber, was wir selbst zu einer Verbesserung der Situation tun können, nur etwas Mut und Entschlossenheit, bei dem nicht mitzumachen, was wir als klar nicht in Ordnung finden, nur etwas Demut, damit umzugehen, dass es zwar auf jeden Einzelnen ankommt, kein Einzelner aber die Welt allein wird retten können.