Niederösterreichische Verkehrspolitik: Raunzen oder Nichtraunzen?

Univ. Prof. Dr. Sebastian Kummer - Wirtschaftsuniversität Wien

Niederösterreich galt lange Zeit als Pkw-affin. Die Verkehrspolitik liebte neue, schnelle Straßenverbindung. Mit politischem Geschick und ansehnlichen Erfolg wurden mit der Strategie „das Land fordert, die ASFINAG zahlt“ neue Schnellstraßen gebaut.

Ein Kommentar von Univ.-Prof. Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik (WU Wien).

Beim Straßenerhalt war man allerdings sparsamer. Obwohl die Mittel, die das Land Niederösterreich für den Straßenverkehr vom Bund erhalten hat, stark gestiegen sind, sank der Anteil der Ausgaben für den Straßenbau in Niederösterreich an den Gesamtausgaben von 7 auf 4 %.

Etwas unberechtigter Weise rümpften Bahnenthusiasten über die niederösterreichische Verkehrspolitik die Nase, denn mit den Wiesel-Bussen und Doppelstockwaggons sowie dem Salamanderzug führte man schon früh innovative ÖPNV-Elemente ein. Die Auflassung von Eisenbahnstrecken wurde kritisiert, doch die Konzentration der niederösterreichischen Bahnpolitik auf Schwerpunkte ist das einzige Richtige. Schneebergbahn und Mariazeller Bahn forderten zwar hohe Investitionen, aber die Erfolge für die Regionen sind messbar. Der Bahnhof Tullnerfeld hat sich – entgegen viele Bedenken – viel schneller ausgezahlt, als erwartet.

Nachteil der „nicht kleckern, sondern klotzen-Politik“ ist, dass die Franz-Josefs-Bahn und die Strecken von Wien nach Hollabrun, Mistelbach und Gänserndorf bezüglich der Infrastruktur und der Bedienhäufigkeit noch nicht optimal sind. Die Politik hat dies erkannt und versucht zu handeln. Der CAT und die S7 konkurrieren um Fahrgäste und Trassen. Im peripheren Raum gibt es noch einige Bahnstrecken, die mehr oder weniger vor sich hinschlummern. Hier muss die Politik Entscheidungen treffen, ob man investieren will. Denn alle Bahnstrecken in NÖ wird man schwerlich erhalten und in der Intensität betreiben können, damit sie für Fahrgäste attraktiv sind.

Wenn für den Flughafen Wien auch noch die Dritte Piste – hoffentlich professioneller als der „Skylink“ – gebaut wird, so ist (nicht nur) Niederösterreich für absehbare Zeit am Luftverkehr gut angebunden. In der Binnenschifffahrt hat Niederösterreich aber natürlich auch Hubert Mierka mit seinen Mitarbeitern im Hafen Krems sehenswertes geschaffen. Schade nur, dass die widrigen Bedingungen außerhalb Österreichs die Donau auf keinen „grünen Zweig“ kommen lassen.

Alles in allem ist Niederösterreich nicht so schlecht für die Zukunft gerüstet, ja, dies und das könnte besser sein, die Nordautobahn schon längst Niederösterreich mit Prag verbinden, eine S1-Querung der Donau gebaut sein und die Breitspurverlängerung nach Wien beschlossen und im Bau sein. Aber auf der anderen Seite – worüber könnte man dann noch raunzen?

2018-09-13T15:35:56+00:00