GSV Forum: Der Ostregion droht Verkehrskollaps

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Bei einem Event des GSV zum Thema Ostregion äußerten sich prominente Vertreter aus Wirtschaft und Politik zur aktuellen Situation der Verkehrsinfrastruktur rund um den Flughafen Wien. Allen voran warnt Günter Ofner, Flughafen Wien, davor nicht rechtzeitig mit Ausbauplänen zu beginnen.

Zu den 25.000 Beschäftigen in der Airport City Wien kommen pro Jahr 2000 weitere dazu. Die Zahl der Passagiere am Flughafen stieg in den zehn Jahren seit 2009 von 18 auf 30 Millionen, 2030 werden es auch bei moderatem Wachstum mindestens 40 Millionen sein. Der Flughaften wickelt pro Jahr 300.000 Tonnen Fracht ab. Tendenz stark steigend.

Der City Airport Train (CAT) hat seine Kapazitätsgrenze erreicht, so Günther Ofner, Flughafen Wien. Der Bahnverkehr Richtung Osten (Bratislava, Brünn) wächst weit stärker als erwartet, sagt Werner Baltram, ÖBB: „Die ÖBB-Infrastruktur reagiert auf die gestiegenen Anforderungen mit einem Bündel an Maßnahmen. Das Trassenauswahlverfahren für eine neue Flughafenanbindung, die sogenannte Flughafenspange, wurde gestartet. Und die Kapazität der Schnellbahn-Stammstrecke soll durch neueste Sicherheitstechnik optimiert werden, auch dazu laufen bereits intensive Vorarbeiten. Auch die Frequenz der S7 wurde deutlich gesteigert.“ Die Situation auf der Straße ist nicht viel besser: Zwischen dem Knoten Schwechat und dem Flughafen fahren bereits jetzt auf der Ostautobahn (A4) pro Tag mehr als 100.000 Kraftfahrzeuge, davon rund 12.000 Lkw. Tendenz: steigend.

Kann die vorhandene Verkehrsinfrastruktur der Ostregion das bewältigen? Die klare Antwort des hochkarätig besetzten Podiums beim GSV Forum: Mit Sicherheit nicht! „Wir haben heute schon drei bis vier Staus täglich auf der A4 – in jede Richtung“, so Günter Ofner, Flughafen Wien. „Wir sind an Kapazitätsgrenzen angelangt“, so auch Alexander Walcher, ASFINAG). „In Wien verkehren auf der Stammstrecke Meidling-Floridsdorf schon 19 von 20 möglichen Zügen pro Stunde“, ergänzt Niederösterreichs Landesrat Ludwig Schleritzko.

Was aber gegen einen heraufkommenden Verkehrsinfarkt in der Ostregion tun?

Günther Ofner: „Es geht um den rechtzeitigen Start der Ertüchtigung der Verkehrsinfrastruktur. Ich gehe zwar davon aus, dass sich so etwas wie das Verfahren zur Dritten Piste nicht mehr wiederholt. Aber auch als großer Optimist kann ich mir nicht vorstellen, dass die erforderlichen Maßnahmen in zwei bis drei Jahren umgesetzt werden!“

Ludwig Schleritzko sieht die Lösung in einem Bündel von Maßnahmen: Einfachere, wie die Verlängerung der Bahnsteige, um die Kapazitäten der Züge zu erhöhen, und engere Zugabstände. Sowie komplexere wie die Errichtung der Marchfeldschnellstraße (S 8) und die Schließung des Schnellstraßenringes rund um Wien. Aber auch scheinbar utopische Maßnahmen, wie die Untertunnelung von Wien für die Bahn erscheinen ihm notwendig. „Leider wollen sich die Verantwortlichen der Stadt Wien damit nicht beschäftigen“. Die Verkehrsprobleme der Ostregion sind aber nur gemeinsam von Niederösterreich, Wien und dem Burgenland zu lösen. Schleritzko bekräftigt an dieser Stelle sein Angebot zu verstärkter Zusammenarbeit.

Die Notwendigkeit des gemeinsamen Vorgehens von Politik und Verkehrsunternehmen betont auch Franz Braunsberger vom Logistikunternehmen Kühne+Nagel. Und: Die Verkehrspolitiker und Verkehrsökonomen müssen sich von der populären Forderung „Alles auf die Schiene!“ verabschieden. Der Lkw-Verkehr wird weiter stark wachsen, weil die Konsumenten alles schnell und in kleinen Mengen haben wollen. „Diesen Service kann aber die Bahn nicht erbringen.“

Alexander Walcher wehrt sich vor allem gegen den Vorwurf, zusätzliche oder leistungsfähigere Straßen würden das Problem nur vergrößern, weil sie Verkehr anziehen: „Der Lobautunnel wird jenen Verkehr anziehen, der sich jetzt durch Wien quält!“

Mario Rohracher, Generalsekretär der GSV, äußert abschließend die Hoffnung, dass durch das neue Standortentwicklungsgesetz die Umsetzung notwendiger verkehrlicher Maßnahmen erleichtert wird, um den wachsenden Mobilitätsanforderungen der Ostregion rechtzeitig Rechnung tragen zu können.