CO₂-Emissionspolitik benötigt Planungssicherheit

Straßentransportunternehmen brauchen Gewissheit bei der Umstellung ihrer Flotten und keine undurchführbaren Fantasieoptionen, mahnt die International Road Transport Union.

Schwere Nutzfahrzeuge, einschließlich Reisebusse und Lkw, emittieren am Auspuffrohr jährlich „nur“ 950 Mio. Tonnen CO2. Nach dem sogenannten Tank-to-Wheel-Standard, also vom Kraftstofftank bis zum Lenkrad, sind das etwa 2,5 Prozent der weltweiten Emissionen. Erfolgt die Messung der CO2-Emissionen des gewerblichen Straßenverkehrs nicht nur am Auspuffrohr, könnte sich das wahre Kohlenstoffausßmaß in zukünftigen Kraftstoffszenarien verdoppeln.

Während Wasserstoff und Elektrizität oft fälschlicherweise als emissionsfreie Kraftstoffe angesehen werden, ergibt sich ein realistischeres Bild dieser alternativen Kraftstoffe, wenn alle CO2-Emissionen berücksichtigt werden – einschließlich der Emissionen von der Quelle bis zum Tank. Basierend auf dem aktuellen Energiemix in Europa, den USA und China würde dies im Durchschnitt 45 Prozent mehr CO2 für Strom und 72 Prozent mehr für Wasserstoff im Vergleich zu herkömmlichem Diesel bedeuten.

Eine Umstellung auf Kraftstoffe wie Strom und Wasserstoff für schwere Nutzfahrzeuge ohne den Einsatz von kohlenstoffarmen oder kohlenstofffreien Energiequellen würde zwischen 400 und 700 Mio. Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr ausmachen, rechnet die IRU in einer Presseaussendung vor. „Die Dekarbonisierung des gewerblichen Verkehrs ist eine riesige und teure Aufgabe. Die richtige Mischung aus Anreizen und Investitionen, um kohlenstoffarme und folglich kohlenstofffreie Alternativen zu forcieren, um die Ziele für 2030 und 2050 zu erreichen, kann nur geschaffen werden, wenn CO2 korrekt berücksichtigt wird“, so IRU-Generalsekretär Umberto de Pretto.

Der einseitige Tank-to-Wheel-Standard, der die Emissionen am Auspuffrohr misst, anstatt einer gründliche Bewertung von der Quelle bis zum Lenkrad (Well-to-Wheel) vorzunehmen, wird die politischen Maßnahmen zur CO2-Reduzierung im gewerblichen Straßenverkehr weiterhin verzerren. „Straßentransportunternehmen brauchen Gewissheit, während sie weiter an der enormen Herausforderung arbeiten, ihre Flotten und ihren Betrieb effektiv zu dekarbonisieren, und keine undurchführbaren Fantasieoptionen“, apelliert Umberto de Pretto.

Die IRU fordert die politischen Entscheidungsträger auf, den umfassenderen Well-to-Wheel-Standard zu nutzen, um Investitionen und Anreize für die Dekarbonisierung zu bewerten und zu planen. Dies soll es kommerziellen Straßentransportunternehmen ermöglichen, so effektiv und schnell wie möglich zu dekarbonisieren.